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„Think Big“ auch beim Mainzer Rathaus

rathaus-mainzSeit geraumer Zeit verfolge ich die Diskussionen um die Sanierung des Mainzer Rathauses und den damit verbundenen, immensen Kosten. Längst spielen Befindlichkeiten und Emotionen eine übergroße Rolle im Meinungsaustausch. Die Einen fordern den Abriss des maroden Bauwerks ohne konkrete Lösungsvorschläge, andere befürworten den Erhalt und bezeichnen die Abrissbefürworter als Banausen. Die Fronten sind sinnlos verhärtet, eine Versachlichung der Diskussion daher dringend notwendig, zumal es mehrere Wege zum Ziel gibt.

Ob man das jetzige Rathaus mag oder nicht, spielt in der Entscheidung keine Rolle. Auch ich bin aus städtebaulichen Gründen kein Freund des „Fuchsbaus“. Im Verbund mit der Rathausplattform Mainz kann mehr Iconund der Rheingoldhalle liegt es nach meinem Empfinden mit seiner abweisenden Architektur wie ein Sperrriegel zwischen Rhein und Stadt. Tatsache ist aber, das Rathaus existiert, es steht an diesem Ort und es ist marode. Gleiches gilt für das angrenzende Parkhaus. Wie also damit umgehen?

Ziel sollte es sein ein nachhaltig funktionales, zweckmäßiges Rathaus für Alle zu errichten. Für alle Ämter, für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für alle Bürger und letztendlich für alle Kommunalpolitiker. Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen, wobei funktional und zweckmäßig nicht mit zwangsläufig mit billig und baulich unattraktiv gleich zu setzen sind. Die Neubauten von JUWI und den Stadtwerken Lübeck könnten hier wegweisend sein.

Eine tragbare Lösung wird allerdings nur erreicht, wenn alle an einem Strang ziehen was wiederum im Interesse der Sache Kompromisse erfordert. Dabei sollen die Machbarkeit und der erreichbare Mehrwert und nicht das Wunschdenken im Vordergrund stehen.

In die Überlegungen zum Rathaus sind zusätzlich die Ämter in der Zitadelle, im Stadthaus und das Bürgerbüro einzubeziehen. Diese Ämter sind es, die am meisten vom Bürger genutzt werden, nicht das Rathaus selbst. Sinnvoll wäre eine Zusammenlegung oder zumindest eine Teilzusammenlegung der Ämter in einem, maximal zwei Gebäuden. Die Lage des Stadthauses mit angegliederten Bürgerbüro ist in punkto Erreichbarkeit für den Bürger nicht unattraktiv. Es sollte überprüft werden, ob die Erhaltung des Stadthauses sinnvoll ist.

Bei der Zusammenlegung ist außerdem die Frage zu prüfen, wie mit den frei werdenden Liegenschaften umgegangen wird. Soll heißen, ein Umzug des Bauamtes in das Rathaus wäre zwar wünschenswert, aber was geschieht dann mit der leer stehenden Zitadelle? Hier könnte eine teilweise Unterbringung des Archäologischen Zentrums ein Lösungsansatz sein.

Aus diesen kurzen Vorüberlegungen heraus, gibt es meines Erachtens drei zu prüfende Varianten:

Variante 1, das Rathaus wird saniert.

Eine reine Luxussanierung ohne Mehrwert kann sich Mainz nicht leisten. Punkt. In den bislang veröffentlichten Kosten sind außerdem die ebenfalls fälligen Reparaturen am Parkhaus noch nicht einmal enthalten. Für eine Entscheidung ist eine reelle Kostenanalyse jedoch unabdingbar. Alles andere ist Wahrsagerei oder geschönt.

Bei der Sanierung ist weiterhin zu prüfen, in wie weit tatsächlich zusätzliche Ämter aufgenommen werden können. Sollte das Rathaus an seiner jetzigen Stelle bleiben, sollte sich Rathausplattform sowohl zum Rhein, als auch zur Rheinstraße hin mehr öffnen. Momentan ist das Rathaus nur schlecht von den Bushaltestellen rund um den Eisenturm erreichbar. Die Zugänge sind alles andere als praktisch, geschweige denn repräsentativ. Die Sanierung rechnet sich allerdings nur, wenn tatsächlich ein Mehrwert erreicht werden kann und wenn dieser wiederum kostengünstiger als die Alternativen ist.

Möglichkeit 2, Abriss und Neubau an gleicher Stelle.

Unter Abwägung aller Aspekte, dürfte das in der Tat die teuerste Variante sein. Zusätzlich zu den Abrisskosten kämen die Kosten für den Neubau an gleicher Stelle, die Kosten für den Umzug in ein Provisorium sowie die Kosten für das Provisorium selbst hinzu. Gleichzeitig ist fraglich, ob an dem beengten Standort tatsächlich ein Mehrwert an Bürofläche erreicht werden kann, Das ist als erstes zu prüfen und abzuwägen.

Möglichkeit 3, Neubau an anderer Stelle

Das scheint mir die effektivste und wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu sein, eine Umsetzung kann ich mir wie folgt vorstellen.

Das neue Rathaus sollte in Anbindung und unter Mitnutzung des Schlosses an Stelle der Werkstätten des Römisch Germanischen Zentralmuseum unter Einbeziehung von Teilen des Ernst Ludwig-Platzes entstehen. Das RGZM soll ohnehin in das neue Archäologische Zentrum umziehen. Das bisherige Rathaus wird vermarktet.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Neubau kann ausreichend dimensioniert werden, um bislang verstreut liegende Ämter mit aufzunehmen. Ein provisorisches Rathaus, das während der Sanierung benötigt würde und die damit verbundenen Kosten entfallen. Die Maßnahme kann schneller, zielgerichteter und effektiver begonnen werden. Die Lage am Rhein, an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neustadt, ist attraktiv, sogar repräsentativ und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln und PKW erreichbar. Das Gelände befindet sich in städtischer Hand und muss nicht teuer angekauft werden. Die Nutzung und der damit verbundenen Erhalt des Schlosses wären geregelt.

Möglicherweise gibt es noch andere, nicht uninteressante Standorte in ähnlicher Konstellation, auch dies wäre zu prüfen.

Unabhängig davon bleibt die Frage, was mit dem denn „alten“ Rathaus geschehen soll. Meiner Meinung nach wird sich ein Interessent für das Bauwerk finden lassen, der gerne in das Gebäude investiert.

Sicherlich werden auch diese Vorschläge Diskussionen hervorrufen. Aber Denkverbote darf es keine geben, wenn sie eine machbare Lösung beinhalten.

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